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Buntes Firmenlogo und alles ist gut?

Ein Foto, auf dem ein Kleiderständer in einem Bekleidungsgeschäft zu sehen ist. Auf dem Kleiderständer hängen verschiedene Kleidungsstücke mit Regenbogenmuster. Darüber hängt ein Schild in Regenbogenfarben mit der Aufschrift #TakePride. Außerdem ist ein großes Preisschild zu sehen, auf dem 6,99 - 29,99 steht.
Photo by Elvert Barnes

Auf Facebook-Timelines und Werbeplakaten in der echten Welt tauchen in letzter Zeit vermehrt die bekannten Firmenlogos vor einer Regenbogenflagge auf. Sie werben mit Toleranz und um die queere Community, denn es ist Juli, es ist pride month. Auch auf diesem CSD in Berlin werden Wagen von Amazon (Glamazon), Tik Tok und der Bundeswehr neben vielen anderen großen Unternehmen mit dabei sein. Anlass genug, um etwas näher hin zu schauen. Der Verdacht liegt auf der Hand: große, kommerzielle Unternehmen, die regelmäßig entweder mit Steuer- oder rechtsradikalen Skandalen Schlagzeilen machen, nutzten die Gelegenheit, um ihr Image aufzuhübschen.

Vom CSD Vorstand gibt es nähere Infos, wer alles auf der Pride seinen Wagen anmelden darf. Und zwar müssen das für die Unternehmen interne Diversity Groups, die sich zu einem Verein zusammengeschlossen haben, machen.

Das ist erstmal etwas Gutes, denn es bedeutet, dass innerhalb der Unternehmen Sichtbarkeit und sogar ein gewisser Organisationsgrad von queeren Personen herrscht. Damit ist allerdings noch nicht gesagt, was es sonst für das jeweilige Unternehmen bedeutet bunt zu sein, wie viele sich selbst labeln. Pauschal lässt sich das leider auch nicht festhalten, zumal meist auch keine Zahlen veröffentlicht sind, wie viele Frauen* in Führungspositionen vertreten sind, wie viele Nicht-binäre Menschen eingestellt werden, wie die Aufstiegschancen sind für offen queer lebende Personen. Wobei diese Beispiele beliebig austausch- bzw. erweiterbar sind. Es geht dabei um die Frage wie aufgeklärt ist die interne Unternehmensstruktur und wirkt gesellschaftlichen Stigmata und Sexismus abseits der Pride entgegen? Dabei kann man durchaus davon ausgehen, dass die Beantwortung dieser Frage variieren kann von Konzern zu Konzern.

Das ist die eine Sache: wie leben diese Unternehmen die Regenbogenflagge auf denen ihr Logo in diesem Monat prangt wirklich. Die andere aber ist was tuen diese Firmen eigentlich? Und da hört es auf vage zu sein, denn hier kann man sich konkret daran orientieren, wo Firmen produzieren lassen, welche Politik sie verfolgen. Es gilt zu verorten, ob Betriebe ausbeuterisch sind, indem sie Ausbeutung entweder selbst fördern oder andere über Subunternhemen für sie ausbeuten lassen.

Es soll sicher nicht darum gehen, ob nun Jemand auf dem CSD mitlaufen dürfen soll oder nicht, denn auch die queeren Kämpfe innerhalb von Unternehmen sind wichtig. In der Kritik steht aber die abnehmende Politisierung des CSD, der mehr und mehr zu einer bunten Party mit Werbefläche für Konzerne wird. Der Organisator*innen vom Radical Queer March bringen es in dem Magazin die Siegessäule auf den Punkt: „queere Kämpfe lassen ’sich nicht mit ein paar Reformen wie der Homo-Ehe oder dem dritten Geschlechtseintrag erledigen.‘ Stattdessen müssten sie ’sich mit anderen politischen Kämpfen gegen ein System verbinden, das zahllosen Menschen wegen ihrer Sexualität, ihrem Geschlecht und Körper, ihrer ökonomischen Lage, Nationalität oder Hautfarbe nach wie vor Freiheit und Gleichheit verweigert.'“

Es ist wichtig auf dem CSD mitzulaufen und so für mehr Gleichberechtigung einzustehen, ob es nun auf der großen Veranstaltung oder auf dem radical march ist, aber es sollte auch darüber reflektiert werden, wer noch mitläuft und inwiefern dort wirklich Interesse an einer echten Gleichberechtigung herrscht. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass für viele Firmen die Regenbogenflagge hinter ihrem Logo nur eine zielgruppengerechte Ansprache ist. Und nur froh darüber zu sein, dass die anvisierte Gruppe queer sein soll, ist nicht genug.

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