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Solidarität mit queeren, trans*, inter und non-binären Personen an den Feiertagen

Wasseroberfläche, die in Regenbogenfarben glitzert
Photo by Josué AS on Unsplash

Dies ist ein Beitrag, den wir in Teilen am 22.12.2019 und in den darauffolgenden Tagen auf Instagram veröffentlicht haben. Der Beitrag beinhaltete Eine Umfrage-Option, über die vor allem queere, trans*, inter* und non-binäre Personen ihre Strategien im Umgang mit ihrer Familie über die Weihnachtszeit geteilt haben.

Die Zeit um das Jahresende kann ganz schön sein: viele Personen haben Urlaub, queere Wahlfamilien finden zusammen, um die freien Tage gemeinsam zu verbringen, es wird Urlaub und Stadtflucht geplant, Kindheitsfreund*innen werden wieder getroffen oder eine 3-Tages-Party im nächstgelegenen Technoclub besucht.

Für manche Menschen fällt diese Zeit jedoch weniger besinnlich aus: queere Personen, die zu ihren Familien fahren, um mit ihnen Weihnachten zu feiern, sind vielleicht nicht geoutet und sehen sich mit queer-, homo- und transfeindlichen Kommentaren konfrontiert. BIPOC Personen erfahren eventuell Rassismus durch die Familien ihrer Partner*innen, mit denen sie die Feiertage verbringen. Einige Personen feiern gar kein Weihnachten und fühlen sich alleine, weil die Freund*innen ausgeflogen sind. In manchen Familien werden um diese Zeit vielleicht alte Traumata reproduziert. Auch Fälle von häuslicher Gewalt kommen an den Weihnachtstagen häufiger vor als im restlichen Jahr – so berichtet es ein Vertreter des Bundes Deutscher Kriminalbeamter der BILD-Zeitung in einem Interview[1]. Ebenso berichten Beratungsstellen für Frauen von einer erhöhten Zahl an Anfragen an und nach Weihnachten.

Aus diesem Grund möchten wir euch in den nächsten Tagen einige Ressourcen zur Verfügung stellen, um das Jahresende oder die Weihnachtstage möglichst entspannt zu überstehen. Beginnen möchten wir heute mit einer kleinen Fragestunde, da wir alle zusammen hunderte von Jahren Erfahrung mit dem Überstehen dieser ganz besonderen Zeit haben und diese Erfahrung miteinander teilen sollten.

An dieser Stelle fassen wir euch die Antworten der Community auf unsere Fragen zusammen.

„Feierst du Weihnachten?“

  • 73% “Ja”
  • 27% “Nein

„Falls ja, hauptsächlich mit der “Geburts-Familie” oder mit befreundeten Personen/Wahlfamilie?“

  • 75% “Geburts-Familie”
  • 25% “Wahlfamilie”

„Falls nein, hast du andere Pläne, oder sind die Tage für dich Alltag?“

  • 49% “Alltag”
  • 51% “Andere Pläne”

„Welche Pläne gibt es?“

  • “Gemütlich zu Hause mit meinem Mann das machen worauf wir Lust haben – das erste Jahr, in dem ich mich darauf freuen kann, da durch meine Kindheit Weihnachten sonst eher negativ behaftet ist.”
  • “Kekse backen, Raclette essen, essen gehen”
  • “Spending time with my chosen family/partly birth family”
  • “Kino”
  • “See friends”
  • “Essen, spazieren, das übliche”
  • „Zu Hause sein und einfach mal Zeichnen und Lesen. Habe sonst kaum Zeit dafür.“

„Kannst du dieses Jahr bei deiner Familie offen queer/trans* sein?“

  • “Mostly”
  • “Im großen und ganzen ja, aber bei Freunden meiner Eltern nicht”
  • “Ja das erste Mal komplett als trans geoutet inklusive Großfamilie”
  • “Nur bei Meiner Mutter”
  • “Ja, aber es wird drüber geschwiegen”
  • “Queer ja, trans nein”
  • “nein”
  • „Nein, aber immerhin kennen 80% nur meinen chosen name.“

„Wie gehst du mit Queer- und Transfeindlichkeit in deiner Familie oder der deine*r Partner*in um?“

  • “Kontern, Allies in der Familie suchen, Kontakt mit Freund*innen als Ausgleich“
  • “Gezielt Bücher zur Thematik verschenken (z.B. Trans Frau Sein)”
  • “Ich werde das Weihnachtsgeld queeren Orgas spenden und weiterhin nur Kontakt per Text haben.”
  • “Versuche dagegen etwas zu sagen, so lange ich Kraft habe, ansonsten flüchte ich eine Zeit lang.”
  • “Zur Rede stellen bzw diese Personen nicht mehr einladen.“
  • „Wird angesprochen, wenn es nicht passt. Familie ist aber tolerant.“
  • „Ich hoffe, das wird einfach kein Thema. Sonst ignorieren, um die Stimmung nicht zu verderben“

Wie gehst du mit Rassismus in deiner Familie oder der deine*r Partner*in um?
Wir haben die Teilnehmer*innen der Umfrage dazu aufgefordert, zu erwähnen, wenn sie selbst nicht Rassismus-betroffen sind.

  • „Nicht selbst betroffen. Lache nicht über rassistische „Witze“ und frage kritisch nach, was gemeint ist.“
  • „Meine Tante ist islamophob, deshalb werde ich das Weihnachtsgeld einer muslimischen Orga spenden.“
  • „Bin nicht betroffen, versuche daher, die Konstrukte dahinter zu zeigen, das eigentliche Problem herauszufinden“
  • „Zur Rede stellen bzw nicht mehr einladen“
  • „(nicht betroffen) dagegen argumentieren. Kann das einfach nicht stehen lassen.“

An dieser Stelle haben wir auf die Spendenkampagne von Intersectional Solidarity hingewiesen. Eine geflüchtete, muslimische trans* Frau sammelt Spenden, um die Kosten ihrer Transition zu decken. Den Spenden-Link findet ihr hier.

„Was nervt dich am meisten an deiner Familie, wenn du die Feiertage mit ihr verbringst?“

Auf diese Frage haben wir viele Antworten bekommen. Themen waren zum Beispiel das Fehlen von Rückzugsräumen, eine hohe Erwartungshaltung von Seiten der Familie, Konsum, Deadnaming, Misgendern und die Reproduktion binärer Geschlechterklischees, rassistische, sexistische und intolerante Familienmitglieder, das Leugnen der Klimakrise und Diskussionen über vegetarische Ernährung.

„Wie gehst du allgemein mit problematischen Situationen an diesen Tagen in deiner Familie um?“

Tips zum Überstehen der Familienfeierlichkeiten waren beispielsweise nur zu beobachten und sich nicht aktiv an Gesprächen zu beteiligen, spazieren zu gehen, wenn die Stimmung sich aufheizt, versuchen ruhig zu argumentieren und zu sensibilisieren, wenn es möglich ist und allgemein eine offene Kommunikation anzustreben.

 

Stellen, an die ihr euch im Notfall wenden könnt:

Falls ihr Gewalt erfahrt

  • Polizei: 110 (hier auch, falls ihr Zeug*innen von Gewalt werdet)
  • Hilfetelefon/-chat „Gewalt gegen Frauen“: 08000 116 016 & hilfetelefon.de (kostenlos, 24/7)
  • Weißer Ring (Telefon- und Onlineberatung): 116 006 & weisser-ring.de (kostenlos, 7-22 Uhr, alle Geschlechter)

Falls ihr euch in einer akuten (psychischen) Krise befindet

Für Kinder und Jugendliche:

 


 

[1] Wir sind uns darüber bewusst, dass die Quellenlage mit der Bildzeitung nicht ideal ist. Die offizielle Kriminalstatistik des BKA schlüsselt allerdings nicht nach Monaten auf und ist somit als Quelle hier unbrauchbar. Wir fanden es trotzdem wichtig, den Faktor hier zu erwähnen.

 

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