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Stellungnahme des NotAnObject e.V. zur Teilnahme von trans* und Sexarbeiter*innen-feindlichen Organisationen an der 8. März-Demo in Berlin

Zur 8. März-Demo anlässlich des feministischen Streiks haben wir einen Redebeitrag auf dem gemeinsamen Wagen von Stimmrecht gegen Unrecht und dem Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung gehalten. Dafür angefragt wurden wir von Stimmrecht gegen Unrecht. Unser Redebeitrag war für das Ende der Demo angesetzt, deshalb konnten wir vorher feststellen, dass eine Gruppe innerhalb des Blocks Plakate mit trans*- und Sexarbeiter*innen-feindlichen Aussagen (1) (2) trug. Diese, sich aus den Organisationen Terre des Femmes Berlin, Sisters und dem Rad Fem Kollektiv Berlin zusammensetzende Gruppe konnte bis zum Ende der Demo im Block mitlaufen.

Bezüglich der Teilnahme trans*- (3) (4) (5), Sexarbeiter*innen-feindlicher (6) und rassistischer (7) (8) Organisationen wie Terre des Femmes an feministischen Demonstrationen kann nicht mit demokratischer Meinungsfreiheit oder mit der Diversität der feministischen Bewegung argumentiert werden; Organisator*innen müssen sich klar dagegen positionieren und die betreffenden Personengruppen der Demo verweisen.

Wie genau der zeitliche Ablauf war, können wir zu diesem Zeitpunkt nicht genau sagen. Relativ zu Beginn der Demo haben wir die Organisator*innen des Blocks darauf aufmerksam gemacht, dass Personen mit trans*feindlichen und Sexarbeiter*innen-feindlichen Schildern im Block mitlaufen. Daraufhin wurde sich zwar positioniert und auch in vielen Redebeiträgen der anderen Gruppen wurde trans*inklusivität betont. Jedoch wurde aktiv zunächst nichts gegen die Personengruppe unternommen. Nach unseren Informationen lag dies an fehlenden Kapazitäten. Wir sind der Meinung: hier hätten andere Prioritäten gesetzt werden müssen.

Von Seiten des Frauen*kampftagsbündnisses wurde nach unserem Wissen im Laufe der Demo zumindest der Versuch unternommen, diese Personengruppe zum Verlassen der Demo zu bewegen. Denn das Frauen*kampftagsbündnis erlaubt laut dem Demokonsens sowohl trans*feindliche Schilder, als auch Schilder, die sich gegen Sexarbeit richten, explizit nicht. Erst im weiteren Verlauf der Demo haben auch die Organisator*innen des Blocks für sexuelle Selbstbestimmung das persönliche Gespräch mit der Personengruppe gesucht und vergeblich versucht, sie der Demo zu verweisen. Die Organisator*innen haben dementsprechend die Gruppe noch einmal vom Lautsprecherwagen aus aufgefordert, die Schilder runter zu nehmen oder die Demo zu verlassen. In unserem Redebeitrag haben auch wir noch einmal explizit auf die Situation Bezug genommen und klar gemacht, dass die Organisation Terre des Femmes mit ihren trans*feindlichen und Sexarbeiter*innenfeindlichen Positionen und Plakaten unserer Meinung nach nichts auf einer feministischen Demo zu suchen hat.

Die Teilnahme von Organisationen wie Terre des Femmes, Sisters und des Rad Fem Kollektivs sorgt dafür, dass trans* Personen – besonders trans* weibliche Personen, intergeschlechtliche Personen, nicht-binäre Personen, Schwarze Personen, Indigene Personen, People of Colour, muslimische Personen, jüdische Personen und Sexarbeiter*innen sich auf der Demonstration nicht sicher fühlen können. Personengruppen, die zu den Vorkämpfer*innen des Feminismus gehören, werden von der Teilnahme an der Demonstration abgehalten, weil Positionen und Personengruppen toleriert werden, die sie direkt angreifen.

Für betroffene Personen ist es nicht allein eine politische Haltung, von Demos fern zu bleiben, auf denen Personen und Organisationen laufen, die Schilder tragen mit Aufschriften wie “Lesbians only love Pussy” und  “Sexkauf = Gewalt” – sondern eine Frage der Sicherheit.

Die Aggressionen aus der Gruppe fanden nicht nur auf verbaler Ebene statt (z.B. indem trans* Personen misgendert, also absichtlich mit dem falschen Geschlecht angesprochen wurden, ihnen das Recht auf Teilnahme an der Demo abgesprochen wurde und durch besagte Schilder). Auch körperlich wurden trans* Personen und Sexarbeiter*innen aus dieser Gruppe angegriffen, nachdem sie die Demonstrierenden um das Entfernen der diskriminierenden Schilder gebeten haben.

Dass es Aggressionen aus dem Unterstützer*innenumfeld des Blocks gibt, hätten wir erwarten können, hätten wir vorher genauer zum Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung recherchiert. Terre des Femmes ist Teil des Bündnisses und hat auch vorher die Teilnahme an der Demo angekündigt. Hier sind wir unserer Verantwortung nicht nachgekommen: wir hätten den Redebeitrag nicht zusagen dürfen und auch nicht zur Teilnahme am Block für sexuelle Selbstbestimmung aufrufen dürfen.

Wir entschuldigen uns deshalb bei allen, die aufgrund unseres Aufrufes beim Block für sexuelle Selbstbestimmung mitgelaufen sind und die sich den trans* und Sexarbeiter*innen-feindlichen Plakaten und Aggressionen ausgesetzt gesehen haben.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung wusste jedoch über die ideologische Ausrichtung ihrer Partner*innen-Organisation bescheid. Umso schockierter sind wir, dass eine trans* Person, sowie aus unserem Team eine nicht-binäre Person eingeladen wurden, auf dem Wagen zu sprechen, ohne dass dafür gesorgt wurde, dass wir uns in dieser Position auch sicher fühlen können.

Der Grund, aus dem Organisationen wie Terre des Femmes, Sisters und das Rad Fem Kollektiv Berlin sich auf diesen Demos, in diesen Blöcken willkommen fühlen ist, dass sich nicht klar von ihren Positionen und Ideologien abgegrenzt, sondern sogar themenspezifisch Zusammenarbeit gesucht wird und Bündnisse geschlossen werden. Diese Zusammenarbeit geht zu Lasten marginalisierter und besonders mehrfach marginalisierter Personen.

Wir fordern das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung dazu auf, sich nicht nur von trans*feindlichen, Sexarbeiter*innen-feindlichen und rassistischen Positionen zu distanzieren, sondern auch die Bündnisarbeit mit Terre des Femmes zu beenden. Andernfalls werden wir von zukünftiger Zusammenarbeit und Unterstützung absehen.

Quellen

(1)  “Lesbians only love Pussy” “Stop Sexkauf” “Nein zu Prostitution” “Sexkauf = Gewalt” “I’m a radical feminist […]” https://www.instagram.com/p/B9e_6pPnJxn/?igshid=10fs20uuuynfh und

(2) https://www.facebook.com/berlin.terredesfemmes/photos/pcb.2718540724867477/2718531501535066/?type=3&theater

(3) Gendergerechte Sprache wurde 2017 auf einer Vollversammlung abgelehnt. (Vgl. https://missy-magazine.de/blog/2017/07/03/das-wollten-wir-nicht-so-stehen-lassen/)

(4) „Ich möchte unbedingt verhindern, dass auch Terre des Femmes queerfeministisch unterwandert wird und Denk- und Sprechverbote folgen“ (https://diestoerenfriedas.de/mein-weg-zur-terre-des-femmes-mitgliedschaft-eine-abrechnung-mit-dem-akademischen-queerfeminismus/)

(5) Schulterschlüsse mit erklärt transfeindlichen Organisationen wie dem Rad Fem Kollektiv Berlin
(Vgl. https://www.instagram.com/p/B9gOfDDnoQ1/)

(6) „Prostitution ist frauenverachtend, Prostitution ist kein „Beruf wie jeder andere““ https://www.frauenrechte.de/images/downloads/prostitution/TDF_Stellungnahme_TDF-Schweiz-Prostitution.pdf

(7) Die Kampagne “den Kopf frei haben”, zu der sich Holla e.V. in einem offenen Brief geäußert hat (Vgl. http://holla-ev.de/offener-brief-des-ifmgz-holla-e-v-zur-terre-des-femmes-kampagne-den-kopf-frei-haben/)

(8) Die Haltung Burkas beschränken Menschen weiblichen Geschlechts in ihrem Menschsein. (Vgl.: https://www.frauenrechte.de/ueberuns/dokumente/feministisches-leitbild)

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