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Du hast es doch drauf angelegt!

Ob mit kurzem Rock oder kaum Haut zeigend, diesen Spruch bekam ich schon öfters zu hören. Bisher immer von der mich belästigenden Person. Doch ich hab auch schon von Freund*innen mitbekommen, dass sie diesen Spruch von Familienmitgliedern hörten.

Ich möchte eine meiner zahlreichen Erfahrungen mit einer solchen Aussage kurz darstellen. In dieser wurde es mal nicht auf den kurzen Rock geschoben (natürlich kam es auch schon oft vor, dass die sexuelle Belästigung meine eigene Schuld war, denn ich „hätte ja auch einen längeren Rock anziehen können“). Ich, mit hochgeschlossenem T-Shirt, schwarzer Hose, Dr. Martens im Club. Bewege mich wild zu Musik, da ich bei Musik, die mich bewegt, nicht unbewegt bleiben kann. Schon kommt der erste Spruch: „I wanna fuck you“. Ich sage „No!“, er geht, ich bin erstaunt. Der nächste kommt: „Hey, geiler Arsch!“. Ich bin völlig in meinem Element und bin leider überhaupt nicht multitaskingfähig (das betrifft auch reden und tanzen gleichzeitig). Also hebe ich die Hand und sage nur „Nö, nö, nö!“. „So wie du tanzt, dachte ich…“, ich unterbreche ihn und sage noch einmal laut „Nein!“. Er kommt näher. Ich höre auf zu tanzen, gucke ihn direkt an und sage noch einmal deutlich „Nein. Lass mich bitte in Ruhe!“. Meine Stimme hebt sich um auf mich aufmerksam zu machen und auf die Situation. Ein „Nein“ reicht mal wieder nicht, denke ich. Er streicht mir mit einem Finger über den Bauch und sagt „ach komm schon, du legst es doch darauf an!“. Ich schubse ihn weg und rufe „Arschloch!“. Außer dieser Beleidigung fällt mir nichts Sinnvolles oder eloquentes ein, denn ich bin wie so oft erschrocken darüber, dass es mal wieder passiert. Dann kommen mir ein Mädchen und ihr Freund zur Hilfe und schaffen es, dass sich der grenzüberschreitende Mensch entfernt.

Ich fühlte mich wie so oft nicht wahrgenommen und ernst genommen. Egal was ich sage, es hilft nicht.
Daher entschied ich mich den Spruch „Du hast es doch darauf angelegt“ über mein Gesicht zu schreiben.

Denn jedes Mal, wenn ich diesen Spruch zu hören bekomme, fühlt es sich an, als würde alles was ich diesbezüglich entgegne nicht gehört und ich nicht wahrgenommen werden. Denn es zählt nur „naja, aber wenn du so tanzt“, „naja, aber wenn du dich so anziehst“… Wenn ich verdammt noch mal Lust dazu hab, dann kann ich hemmungslos und nackt tanzen, wann und wo ich will!

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