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Freiheit den Nippeln. Freiheit den Brüsten.

Freiheit von gesellschaftlichen Konventionen, die sich hinter vermeintlichem Jugendschutz, vermeintlicher öffentlicher Erregung und sexueller Provokation verstecken.

Nippel und Brüste von FLTI*s werden in der realen und virtuellen Welt zensiert. Ob durch die Löschung eines Fotos, den Balken über den Nippeln oder einfach ein Shirt.

Natürlich ist das Zeigen der Nippel und Brüste jedem selbst überlassen und das Zeigen an sich stellt keinen feministischen Akt dar. Wer sie nicht zeigen möchte, muss das nicht tun und wer feministisch ist, muss dafür nicht die Brüste zeigen. 
Doch die Unterscheidung von Nippeln eines Mannes und denen eines FLTI*Menschens ist ein Thema und sollte weiterhin eines bleiben.

Ich lag mit Freund*innen an einem nicht als FKK-Bereich ausgeschilderten Bereich eines Sees. Aufgrund der Hitze zogen sich ein paar der Leute ihre Shirts aus. Die einzige als Frau geltende Person, die ebenfalls ihr Shirt auszog, war ich. Das löste eine Diskussion aus. Die Frage: Darf man das außerhalb eines FKK-Bereichs? Ist das eine Erregung öffentlichen Ärgernisses? Vielleicht doch das Shirt wieder überziehen, wegen möglicher Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen? Muss man dann nicht mit komischen Blicken rechnen und möglichen (verbalen) Übergriffigkeiten?

Fragen über Fragen, Unsicherheiten über Unsicherheiten. Ja, es gibt Unterschiede zwischen einer anatomisch als männlich und anatomisch als weiblich bezeichneten Brust. Die „weibliche“ Brust gilt als Körperteil, dass zum Stillen dient und gleichzeitig ein Sexualorgan darstellt. Ersteres stimmt, was sollte also das Problem sein, wenn ein Kind eine Brust sieht, die er*sie doch schon seit Tag 1 seines*ihres Lebens kennt? Nein, es ist das Zuschreiben eines Sexualorgans, was einen daran hindert, die Brust zu zeigen. Ich möchte nicht übergriffig sein, aber genau das bekomme ich vermittelt, wenn ich mein Shirt ausziehe. Es könnte ja schon eine Form der sexuellen Belästigung sein gegenüber Kindern, aber auch gegenüber erwachsenen Männern.

Es könnte ja schon pornografisch sein, wenn ich ein Foto poste (egal ob mit politischer Message oder nicht) und es könnte möglicherweise Kinder und erwachsene Menschen verstören. Seien wir mal ehrlich… ich habe als Kind ne Menge Brüste gesehen, „männliche“ und „weibliche“. Ich persönlich habe nicht den Eindruck, traumatisiert zu sein oder ein krankhaftes Sexualverhalten an den Tag zu legen, weil ich seit Minute 1 meines Lebens Brüste von FLTI*s gesehen habe. Den einzigen Unterschied, den ich in meinen persönlichen Erfahrungen zu Menschen sehe, die damit nicht in Berührung kamen, ist, dass ich Brüste, egal welchen Geschlechts nicht sexualisiere. Genau deshalb war das Ausziehen meines Shirts kein sexuelles Vorspiel oder als sexuelle Belästigung gedacht, ebenso war es kein Akt der Rebellion, sondern in gewisser Weise eine nicht zu hinterfragende Selbstverständlichkeit.

5 Minuten später hatte ich mein Shirt wieder an und hatte Schweißflecken unter der Brust, die natürlich auch thematisiert wurden oder von Passanten als „uuuh sexy“ betitelt wurden. Zuhause angekommen hab ich reflektiert: Das Argument mit dem Jugendschutz verstehe ich aus meiner Erfahrung heraus zwar nicht und trotzdem verunsichert es mich immer wieder aufs neue. Ich habe mit Kindern gearbeitet und bei jedem Windelwechseln viel kommuniziert und vorsichtig agiert, eben um die Übegriffigkeit zu verhindern bzw. mir die paternalistischen Übergriffe bewusst zu machen. Das war mir immer sehr wichtig und daher beeinflusst mich dieses Argument immer sehr.

Die Zensur der Nippel im Internet ist ebenso kontrovers diskutiert. Auch hier wieder: Jugendschutz, Provokation, sexuelle Belästigung UND Angst vor zukünftiger Arbeit. Das letzte Argument schreckt doch immer wieder viele ab, mich inbegriffen: Was, wenn der*die Arbeitgeber*in das Foto mal sieht? Ist das ein Grund den Job nicht zu bekommen? Wer kennt all diese Fragen, all diese Unsicherheiten nicht?

Im Nachhinein habe ich es bereut, das Shirt wieder angezogen zu haben. Ich lag schließlich nicht mit meiner Vulva der Sonne entgegen. Dafür halte ich mich natürlich an die FKK-Beschreibung.

Noch einmal: Die Brust ist kein Sexualorgan. Natürlich kann die Brust gereizt werden und das Reizen kann Teil von Sex sein. Doch manche werden auch am Ohrläppchen gereizt, das macht dieses noch lange nicht zu einem Sexualorgan! #freetheohrläppchen

Was meint ihr? Ich finde es immer noch schwierig, meine persönliche Selbstverständlichkeit mit der gesellschaftlichen Vorsicht in Einklang zu bringen. Ich fühle mich eingeschränkt und doch finde ich immer wieder Argumente, die die Einschränkung rechtfertigen.

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