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Ohne Worte

Eigentlich habe ich keine Worte für die Situation, die mir auf einem Festival in Budapest wiederfahren ist. Da ist nur eine unbändige Wut. Wut darüber, dass ein fremder Mann sich das Recht herausnimmt, mich ohne mein Einverständnis anzufassen, wortlos. Darüber, dass er so schnell war, dass ich ihn kaum gesehen habe. Drüber, dass er so feige war, dies im Schutz einer Menge zu tun, in der er schnell verschwinden konnte. Darüber, dass Menschen, denen ich von der Erfahrung erzähle, mich fragen, was ich denn angehabt habe, wie ich mich im Vorfeld verhalten habe, wie viel Alkohol ich getrunken habe. Darüber, dass sie sein Verhalten mit den Worten entschuldigen: „Ach, er war sicher nur betrunken. Weißt du, ein Festival, viel Alkohol, viel Testosteron…“ Nein! Sein Verhalten ist nicht okay, nicht zu entschuldigen. Nein! Mich trifft keine Mitschuld.

Der Mensch hatte Pech. Ich habe ihn gesehen, wenn auch nur kurz. Ich war schneller als er, viel schneller. Nach etlichen solcher Situationen sind meine Reflexe ausgeprägt. Ich habe ihn bekommen, ich habe ihn konfrontiert, keiner der Menschen um uns herum hat reagiert. Aber das macht es nicht besser. Nicht für mich. Die Wut bleibt. Ein kurzer Moment, eine Konfrontation, dann gings auch schon weiter. Tagelang hat es gedauert, bis ich wirklich realisierte, was mir wiederfahren war.

Die Situation hat sich übrigens zwei weitere Male reproduziert. Das erste Mal ist es auf dem Sziget-Festival in Budapest passiert. Das zweite Mal in Berlin, am S-Bahnhof Warschauer Straße. Das dritte Mal in Lyon bei la Guilliotière.

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